Ju Kengo: Katrin, seit wann praktizierst du Karate?

Katrin Glauber: Seit ich 15 bin. Mein Vater war Diplomat, wir sind viel umgezogen. In Italien habe ich ein Jahr Jiujitsu trainiert. Dann wurden wir nach Athen versetzt und da habe ich mit Karate angefangen.

Warum gerade Karate?

Das ging auch irgendwie nach dem Ausschlussprinzip. Ballsport war nichts für mich, bei Leichtathletik habe ich den direkten Wettkampf gescheut. Ich war unglücklich wegen des Umzugs, eher schüchtern und traute mir nicht viel zu. Kampfsport hatte ich ja schon mal gemacht. Erst habe ich zweimal die Woche trainiert, dann dreimal, viermal, schließlich fünfmal. Ich habe mir einen Babysitterjob besorgt, um Einzelstunden bei einem ehemaligen jugoslawischen Weltmeister zu bezahlen.

Nun bist du selbst Trainerin – wie bist du dazu gekommen?

Schon sehr früh. Zurück in Deutschland war ich in einem Dojo in Bad Godesberg. Trainieren gehörte da einfach dazu, auch ohne Lizenz. Das erste Training habe ich als Blaugurt gegeben und habe versucht, Grüngurten die Haian Jondan beizubringen. Das war am Anfang schon eine Überwindung.

Jetzt trainierst du bereits seit Jahren, Erwachsene, Kinder und vor allem natürlich die Mittelstufe im Ju Kengo. Was gibt dir eigentlich das Training?

Für mich ist das Zwischenspiel mit den Teilnehmern ein großer Gewinn. Es ist einfach schön zu spüren, wenn alle am Ende verschwitzt und mit einem guten Gefühl in die Umkleidekabine gehen. Aber das Training bringt mich auch selbst weiter, durch die intensive Auseinandersetzung mit der Technik.

Was bedeutet Karate für dein Leben?

Karate bedeutet mir sehr sehr viel, es ist ein wichtiger Lebensinhalt. Ich liebe die körperliche Auseinandersetzung, das gibt mir Selbstsicherheit – zu spüren, dass ich das gut umsetzen kann. Ganz banal: Ich hatte noch nie Rückenprobleme. Darüber hinaus entdecke ich immer mehr gute gesundheitliche Aspekte Ich habe aber auch durch Karate eine ganz andere Wahrnehmung, ich liebe diese Mischung aus zerstörerischen und heilsamen Elementen. Und das Adrenalin!

In deinem Training legst du auch viel Wert auf körperliche Fitness – Muskelkater inklusive…

Muskeltraining ist ganz essentiell, nur die Muskeln können den Körper halten und so eine gute Haltung garantieren. Ich hatte ja kürzlich eine Knie-Operation und merke jetzt noch mal in der Reha, wie wichtig das für uns ist.

Gerade hatten wir noch ein Training bei dir – Thema war Balance. Wo holst du dir eigentlich immer die vielen Ideen her?

Youtube ist mein Trainingsmeister. Ich gucke mir alles Mögliche an, auch andere Sportarten und Workouts. All diese Inspirationen versuche ich dann in eine Karate-Einheit zu übertragen.

Noch was, das dir wichtig ist?

Vieles. Aber ganz wichtig ist mir, dass das Training Spaß macht.